Stunde 6 und 7

bynesster_flickrStunde 6

Die sechste Stunde wird nur gespielt, Bauern und Springer.

Stunde 7

Wir wiederholen die Themen der letzten Stunden und dann gehen wir weiter im Heft mit Übung sechs. Einige Klassen müssen noch mit dem Springer spielen, bevor wir zu diesen Übungen übergehen. Langsam entfernen sich die Klassen immer mehr auseinander, aber hier behalte ich die Reihenfolge optimaler Klassen mit sehr guten Voraussetzungen.

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uebung8Wir beginnen, wie üblich zusammen die Übungen durch zugehen, solange bis genügend Kinder von alleine weiterarbeiten können. Es geht darum das Feld zu finden von wo aus der Springer zwei Bauern gleichzeitig angreifen kann. Wir finden die Feldfarbe auf welcher die Bauern stehen und nun wissen wir auf welche Feldfarbe wir springen müssen, um sie anzugreifen. Bauern, welche auf weißen Feldern stehen werden aus schwarzen Feldern angegriffen und umgekehrt. Einige Kinder kriegen das sehr schnell hin und nehmen auch noch die Übungen neun und 10 im Angriff.

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Hier muss ich zwar eingreifen und erklären, dass wir nicht mehr die Felder suchen, sondern eine Zugfolge. Eine neue Perspektive die den schnelleren Kindern keine Schwierigkeiten bereitet. Normalerweise sind zwischen 1 und 4 Kinder, welche so schnell sind und sie sollen nicht zu früh zum spielen kommen, deshalb lasse ich sie noch die Übungen neun und 10 absolvieren. Die anderen Kinder sollen sich nicht zu sehr benachteiligt fühlen. Inzwischen verfolge ich die anderen Kinder und helfe wo immer nötig. Je nach Aufmerksamkeit der Klasse kann das unterschiedlich lange dauern. Bei einigen Klassen benötige ich dafür die ganze Stunde, bei anderen Klassen kommen die meisten Kinder auch zum spielen. Schwierigkeiten, welche auftreten sind: Zum einen sprachliche, einige Kinder verstehen meine Sprache nicht und sie warten solange bis ich zu ihnen komme oder machen irgendwo im Diagramm ein Zeichen, welches  nicht stimmt. Mit etwas Geduld und einigen Diagrammen, die wir zusammen lösen funktioniert das einigermaßen. Manche Kinder markieren  Felder nach Zufallsprinzip und auch hier muss ich etwas nachhelfen und einige Diagramme mit ihnen zusammen lösen. Andere haben ihre ganz persönliche geometrische Muster nach denen sie die Felder markieren, manchmal finde ich heraus welche es sind und manchmal auch nicht. Hier sind mehrere Anläufe nötig. Einige Kinder kommen mit dem Diagrammmodus nicht zurecht, so gebe ich ihnen ein Schachbrett und wir stellen die Stellungen am Schachbrett auf, finden die Lösung und übertragen sie ins Heft. Es ist manchmal nötig diesen Kindern zu zeigen wie man sicher eine Stellung aufbaut, indem man das Feld namentlich bestimmt, auf welchem die Steine stehen, und sie dann auf das selbe Feld auf dem Schachbrett hinstellt. Ab und zu stoße ich auf ganz „eigenwillige“ Kinder, welche diese Übungen überhaupt nicht machen wollen und ich muss mich dann neben sie setzen und jedes Diagramm mit ihnen zusammen machen. Es wird einige Übungsstunden dauern, aber danach müsste es auch von alleine gehen. Leider kommen einige Kinder überhaupt nicht zum Spielen in dieser Stunde, aber ich muss zu Beginn etwas strenger sein, da viele Kinder einfach nur abwarten bis sie das Heft weglegen können. Sie wissen jetzt, dass sie erst dann spielen können wenn die Übung fertiggestellt ist und je schneller sie arbeiten desto eher können sie spielen. Natürlich gibt es auch Kinder die es versuchen aber einfach noch nicht soweit sind um zügig voranzukommen. Wenn ich merke, dass der Einsatz da ist aber es einfach nicht schneller geht, erlaube ich ihnen die Übungen vorzeitig zu beenden, damit sie sich dem Spiel widmen können. Die nicht abgeschlossenen Übungen können zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. In der Regel wollen sie sie dann auch nachholen.

Die Übungen sechs bis 10 dienen eigentlich um etwas Angriffstechnik zu vermitteln, ohne explizit darauf hinzuweisen. Auch ein direkter Hinweis hat keine zusätzliche Auswirkung und ich ziehe es vor, wo es möglich ist, keine direkten Anweisungen zu geben.

Im „The Chess Instructor 2009“ gab es einen Artikel von Richard James der  seit 2003 im Internet zur Verfügung steht (http://www.chesskids.com/thinkskill.pdf) wo die kognitiven Fähigkeiten vom Schachspiel der Kinder, nach Piaget, thematisiert werden. Kurz zusammengefasst sagt er, dass  Kinder vor dem zwölften Lebensjahr nicht imstande sind komplexe logische Prozesse nachzuvollziehen oder von alleine darauf kommen können. Gemeint sind damit auch einfache Kombinationen. Seine Schlussfolgerung ist, dass man  Kinder nicht sich selbst überlassen kann, sondern sie trainiert werden müssen, damit sie als „Erwachsene“ zum Schachpublikum werden können. Ich kann den Nutzen dieser Aussage höchstens  im Leistungssport nachvollziehen und einen möglichen Nutzen hier sehen. In der Schule, wo viele „Unfreiwillige“ mitmachen müssen und die Ziele vollkommen anders sind, denn es sollen alle vom Schachspiel profitieren, sehe ich nur Maßnahmen, welche das Ziel des Schulschachs komplett verfehlen.

Wenn zum Beispiel die kognitiven Fähigkeiten der Kinder noch nicht vorhanden sind, dann nützen auch direkte Anweisungen nichts, um eine Spur (Vgl.:M.Spitzer) im Gehirn zu hinterlassen, es werden möglicherweise bei einigen Kindern Automatismen (Skills) geschaffen aber das hat nichts mit Entwicklung zu tun. Ich finde die Kinder sollen zuerst ihre eigenen Wege ausprobieren und erforschen, auch um eine Basis auf die man dann aufbauen kann zu schaffen, bis sie in ihrer persönlichen Entwicklung soweit sind das auch selbst zu schaffen. Die Praxis hat mir hier schon öfters gezeigt, dass ich nicht falsch liege. Kinder denken anders als Erwachsene und wenn sie dürfen dann sagen sie es uns auch. Für den Spitzensport wird das möglicherweise nicht funktionieren, aber in der Schule behaupten wir ja, dass wir keine Spitzensportler „machen“ wollen, sondern eine Übertragung der positiven Eigenschaften des Schachspiels auf die Kinder anstreben. Also würde ich vorschlagen wir halten uns genau an diese Zielsetzung, es kann vorkommen, dass manche Lehrer die Zielsetzungen des Schachunterrichts und die Ausführung desselben hinterfragen und wir dann um einer guten Erklärung verlegen sind.

Zurück zu den Übungen. Auch wenn die Übungen gelöst wurden gibt es keine Übertragung der Zielsetzung der Übungen auf das praktische Spiel. Selten werden alle Bauern geschlagen und selten wird darauf hin gespielt mit den meisten Zügen, zumindest, einen Bauer zu schlagen. Auch nicht nach einer direkten Anweisung darüber, wo der Springer hinziehen muss, um die Bauern des Gegners anzugreifen. Es werden eher beide Springer des Gegners geschlagen als alle Bauern. Bei den Minispielen, wo die Bauern sich noch nicht bewegen können (siehe Artikel über Stunde 5, Springervorlagen- Bild 7). Wir benötigen einige Stunden praktischen Spieles, bevor Pläne überhaupt in Erwägung gezogen werden und das eher von  Schach begeisterten Kindern. Bei Anderen dauert das wesentlich länger, aber auch diese sind auf dem Weg, zum Schach spielen, mitzunehmen und eine aktive Mitarbeit aller Kinder beizubehalten.

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Kinder und Medien

Heute, wenn ich mich umsehe, kommt es mir vor, als ob  wir einen Wettlauf veranstalten  wer immer  wieder neuere, buntere, wirbelnde und aufregende  Methoden entwickeln kann, über wie man die Kinder zum Schach bringen kann oder sie beim Schach zu halten. Auch gilt es, so scheint mir, die Kinder eine oder zwei Stunden, mit Schach, zu beschäftigen ohne sie zu langweilen. Diesbezüglich sind die neuen Medien sehr erfindungsreich aber…

Zitat aus:

 Kinder ohne Medien? ,von Dr. Med. Bert Te Wildt, in Psychologie Heute, Jahrgang 29 Heft 11

Medienpädagogik müsste heute auch heißen: zu wissen, wann sich Medieneinsatz regelrecht verbietet.

Zu früher Mediengebrauch lässt bestimmte Entwicklungen verkümmern. Was schnell, bunt und spannend ist, macht abhängig – und dümmer.

Das Spiel

Wenn wir  vom Schachspiel ein Transfer von positiven Eigenschaften auf die Kinder voraussetzen, sollten wir das Grundlegende nicht aus den Augen verlieren:

Das Spiel (Nach P.P. Kaspar)

Das Spiel wird allzu gern als etwas Unernstes oder gar Kindisches abgetan. Das ist schade. Denn im Spielenden wächst eine Grundbegabung jedes erwachsenen Menschen heran. Der spielende Mensch verwirklicht seine schöpferischen Kräfte ohne Zweck und Nutzen – nur um ihrer selbst willen. Weil es ihm eben Freude macht. Und das genügt.

Ein Spiel, das auf Nutzen oder Gewinn bedacht ist, wie viele sportliche Wettkämpfe, hat die Freiheit des zweckfreien Spielens bereits „verspielt“. Leider sind viele „Spiele der Erwachsenen“ solche Spiele. Ein Beispiel dafür ist das Glücksspiel.

Ein Mensch der nicht spielen kann ist kein „ganzer“ Mensch

Stunde 5

Eine kurze Wiederholung zur letzten Stunde und dann geht’s weiter zur Spielfigur des Springers. Nicht alle Klassen werden mit derselben Reihenfolge unterrichtet. Bei einigen muss ich den Springer am Ende behandeln, bei anderen in der sechsten Stunde. Der Einfachheit halber behalte ich hier diese Reihenfolge bei, auch wenn ich sie nicht überall beibehalten kann. Jeder sollte für sich und die Klasse entscheiden, was wann behandelt werden sollte.

In einigen Klassen befindet sich ein Fußboden mit Schachmuster, das gibt mir Gelegenheit zu einer zusätzlichen Strategie beim Lehren.

Die benutzten Vorlagen

Ich beginne mit einer Vorlage (Bild 1), welche ein „L“ mit dem Springerzug aufweist. Einige Kinder wissen zwar schon, dass ein Springer wie ein „L“ zieht, deshalb beginne ich mit dieser Vorlage. Ich erkläre, dass ein Springer zwei Felder in eine Richtung überspringt, um auf einem dritten Feld zu landen. Ein Springer kann in alle vier Richtungen springen aber nicht diagonal.

Es ist einfacher für die Kinder eine geradlinige Abfolge zur Berechnung der Felder worauf der Springer springen kann, zu verstehen. Nachdem wir alle möglichen Richtungen und Spieglungen dieses „ Springer-l‘s“ behandelt haben, lasse ich, in Klassen mit Schachmuster Fußboden, die Kinder zu mir kommen und sich vor mir aufstellen. Es passiert manchmal auch, dass sie sich alle so aufstellen, dass sie mir den Rücken zuwenden, aber das lässt sich schnell ändern. Nachdem zeige ich wie man die Springerbewegung berechnet und mache das einige Male vor. Danach sind die Kinder an der Reihe mit Springerzügen von einer Seite der Klasse zur anderen und zurück zu springen. Das klappt ganz gut in Klassen mit einem guten Aufmerksamkeitsniveau und wenn die Anzahl der Kinder nicht zu groß ist.

Bei wenig Aufmerksamkeit ist der Erfolg dieser Strategie viel geringer, es überwiegen die Nachteile. Zu viele Kinder sind abgelenkt und veranstalten alles Mögliche, was wiederum den Ablauf bedeutsam stört. Am Ende dürfen die Kinder auf ihre Plätze zurückspringen.

Es dauert eine Weile bis alle auf ihrem Platz sind, da einige einen größeren Umweg finden. Ich teile dann die Paare ein, sie sollen nebeneinander sitzen bleiben, das Schachbrett und die Figuren holen, das Schachbrett so aufstellen, dass die erste Reihe auf ihrer Seite liegt und die Figuren außerhalb des Schachbretts aufstellen. Es gib Schwierigkeiten mit den Begriffen „Nebeneinander oder Gegenüber“ und zwischen Steine außerhalb des Schachbretts aufstellen und auf dem Schachbrett.  Hier verliert man mehr oder weniger Zeit, je nachdem wie die reale  Aufmerksamkeit der Klasse ist.

Wenn alle bereit sind stellen wir einen Springer zentral auf das Schachbrett, dann lasse ich zwei weiße Bauern dorthin stellen, wo der Springer in der Luft ist, bzw. springt, und zwei Schwarze wo er landet. Ziel der Übung ist es die Stellung in Bild 3 zu erreichen. Auch wenn die Übungen am Boden reibungslos vonstatten gingen, fast alle hatten überhaupt keine Schwierigkeiten, ist letztere Übung, um einiges schwieriger, da sie eine neue Dimension bedeutet.  Von Bewegung mit dem Körper am Boden zur Bewegung am Schachbrett.

Die erste Phase der Übung bestand darin, die weißen Bauern in Richtung erster Reihe aufzustellen, das heißt der Springer zieht, aus dem Blickpunkt der Kinder, nach Unten. Zusätzlich kommt hinzu, dass viele Kinder die Hände nicht kontrollieren können und dauernd die Steine am Brett bewegen. Irgendwann muss ich sie auffordern die Hände hinter ihren Rücken zu halten und die Steine, die wir bereits gelegt haben nicht mehr zu berühren. Bei manchen hilft das auch nichts und so bleibt mir nichts anderes übrig als die Kinder zu Bitten sich einen Meter vom Tisch zu entfernen, mit dem Nachteil, dass diese Kinder dann auch nicht mehr rankommen, sobald sie neue Steine legen müssen.

Als nächstes springt der Springer in Richtung h-Linie und wir stellen zwei weiße Bauern dahin, wo der Springer in der Luft ist und zwei Schwarze, wo er landet und auch schlagen kann. Einige vervollständigen selbständig die Stellung andere bedürfen einer Aufforderung, um das Muster, die Stellung zu vervollständigen, zu finden. Wir haben jetzt die Stellung in Bild 3 erreicht, nun wiederhole ich, dass der Springer mit jedem Zug die Feldfarbe wechseln muss, und lasse die weißen Bauern, welche auf weißen (in diesem Fall steht der Springer auf d5 ein weißes Feld) Feldern stehen, entfernen. Auch hier gibt es einige Kinder, die nicht, oder sehr schlecht zuhören können, die alle weißen Bauern entfernen wollen, oder einfach nur irgendeinen entfernen. Je nach Aufmerksamkeitsgrad der Klasse gibt es  Kinder, welche einer individuellen Aufforderung bedürfen, um überhaupt etwas zu tun.

Nachdem wir die Stellung in Bild 3 erreicht haben gebe ich die Anweisung ,alle weißen Bauern, welche auf weiße Felder stehen zu entfernen. Auch hier zeigt sich die Aufmerksamkeit der Klasse, es gibt noch genügend Kinder welche allle weißen Bauern entfernen und einige die alle Steine entfernen.Schließlich erreichen wir Bild 4 und ich nutze die Gelegenheit die offizielle Zug Regel des Springers zu äußern: „Der Springer springt auf jedes zweit nächste Feld entgegengesetzter Farbe!“.  Danach öffne ich die Arme und Frage mit etwas Nachdruck und kurzen Pausen zwischen den Wörtern: „ Habt ihr das Alle verstanden?!“ Es ertönt eine typische Gruppenantwort: „Jaaaa!“ Keiner traut sich zu sagen er hat gar nichts verstanden. Die Lehrerin schmunzelt und mir ist durchaus bewusst, dass womöglich keiner irgendetwas verstanden hat. Deshalb erkläre ich es langsamer und zeige, dass die den Springer angrenzenden (ich benutze das Wort berühren) schwarzen Felder für den Springer nicht erreichbar sind, sonder, dass er hier darüber springt und gleichzeitig wiederhole ich, dass der Springer im Sprung nichts schlagen kann, sondern nur, wo er landet. Der Springer landet auf allen schwarzen Felder, welche an diese Felder (Bild 4) angrenzen (berühren). Ich fordere die Kinder auf, das zu kontrollieren, ich könnte ja etwas vergessen haben, so wird die Kontrolle etwas schärfer. Nach der Kontrolle lasse ich die restlichen weißen Bauern entfernen und wir kommen zum Springerrad (Bild 5 und 5a). Der Springer bildet die Achse und die Bauern, welche der Springer in einem Zug schlagen kann bilden das Rad. Bild 5a und 6 heften an der Tafel.  Ich benutze das Demobrett nicht, weil ich unmittelbarer meine Lehrstrategie und der bessere oder mindere Erfolg derselben individuell kontrollieren kann. Weiteres entspricht diese Strategie mehr den Eigenschaften der Kinder, in erster Linie das direkte berühren und handhaben.

Einige Kinder erinnern sich noch an die roten und grünen Felder und was sie bedeuten aber für die Meisten sind eine Wiederholung und ein paar Übungen dazu nötig. Für die Bauern in Bild 5 sind die Felder worauf sie stehen Rot und das bedeutet Gefahr, es kann geschlagen werden! Würden die Bauern eine weiße Farbe haben, wären die Felder Grün, hier ist man geschützt. Im Laufe der Jahre habe ich bemerkt, dass sich diese Farbstrategien leicht fördernd auf die vorsichtige Handhabung des Schlagens auswirkt. Sie kontrollieren etwas mehr wo sie hinziehen oder schlagen.  Bis alle dieses Farbsystem begriffen haben ist der letzte Stein bereits behandelt worden. Eventuell habe ich, wenn nötig, auch noch Arbeitsblätter, wo man die kontrollierten Felder einer Figur in Rot und Grün färbt.

Als letztes diktiere ich noch die Stellung in Bild 7 und auch hier lasse ich die schnelleren Kinder die Stellung vervollständigen. Danach versuche ich die Regeln zu erklären, wie man dieses Minispiel spielt. Es ziehen nur die Springer, ansonsten ziehen einige den Springer nicht, und es gewinnt derjenige welcher alle Bauern des Gegners geschlagen hat, oder auch derjenige welcher, beide Springer des Gegners geschlagen hat. Die Bauern dürfen hier nicht ziehen. Diese Anweisungen werden von den wenigsten registriert, es wird einfach drauflos gespielt und die meisten stellen Fragen über die Regeln des Minispiels, welche sie einfach nicht gehört hatten.

Auch die Übertragung des Gelernten im Spiel erweist sich als eine neue Dimension und die Züge des Springers sind der Kreativität der Kinder ausgeliefert. Bei grenzenloser Kreativität mische ich mich ein, erinnere aber den Gegenspieler daran, dass jeder für sich ein Schiedsrichter ist und auf die Züge des Gegners achten sollte. Sollte, nicht muss!

Für diese Lektion benötige ich je nach Klasse zwischen 40 und 60 Minuten. Die Spielzeit, die manchmal noch bleibt beträgt zwischen 10 und 25 Minuten.

Stunde 4

10 Minuten Wiederholung der letzten Stunde, danach behandeln wir den Wert der Figuren und deren Symbole im Arbeitsheft.

Zuerst lernen wir, wie die Figuren abgekürzt werden und welche Symbole zu den jeweiligen Figuren gehören und anschließend schauen wir uns den dazugehörigen Tauschwert an.  Auch wenn der König, die wichtigste Figur im Spiel ist, hat er keinen Tauschwert, da er nicht geschlagen werden kann. Der Bauer dient als Bewertungsgrundlage mit einem Punkt, der Springer und der Läufer mit drei Punkten, der Turm mit fünf und die stärkste Figur die Dame mit neun Punkten. Gleichzeitig schreibe ich alles an die Tafel und die Kinder haben im Arbeitsbuch eine vollständige Tabelle mit dem behandelten Stoff. Bei der nächsten Übung können die Kinder immer in dieser Tabelle überprüfen, wenn sie sich nicht an den Stoff erinnern. Ich schlage noch ein paar Übungen zur Berechnung an der Tafel auf. Ein typischer Fehler, welcher am Anfang noch gemacht wird, wenn ich frage wer mehr Punkte geschlagen hat, ist den Wert mit der Anzahl der Steine zu verwechseln. Zum Beispiel sind zwei Bauern und ein Springer mehr Wert als ein Turm und ein Bauer. Es wird einfach nur die Menge der geschlagenen Steine gezählt. Nachdem gehen wir zur Übung fünf über.

Bei einigen Klassen muss ich dieses Thema verschieben, da sie noch zu wenig Spielgelegenheit hatten und es erscheint mir besser sie noch ein wenig spielen zu lassen, bevor wir den Wert der Steine behandeln.

Ich erkläre zuerst was die einzelnen Spalten zu bedeuten haben und anschließend lösen wir die ersten Zeilen gemeinsam. Bei kleineren Klassen kommen alle dran, bei größeren schaffe ich das nicht und lasse sie dann alleine den Rest lösen. Ich nütze die Gelegenheit  die Kinder zu betreuen welche offensichtlich entweder Schwierigkeiten haben, bisher noch nicht zugehört haben oder einfach noch nicht wissen was von ihnen erwartet wird.

Die Voraussetzungen der verschiedenen Klassen sind unterschiedlich. Einige haben bereits das einmal eins angefangen andere noch nicht. Einige haben bereits etwas Kopfrechnen geübt andere nicht und wieder andere  zählen mithilfe der Finger. Einige haben sprachliche Barrieren und verstehen mich nicht, aber bei der individuellen Betreuung bekomme ich das ganz gut hin. Ich benötige dazu die ganze Stunde und es bleiben immer noch einige übrig die nicht fertig werden. Das macht nichts, die Kinder mögen es gern wenn sie bei einer späteren Gelegenheit die vergangenen Übungen fertig stellen können.

Im Schulschach wäre diese Lektion nicht unbedingt notwendig, aber eine Verknüpfung von Schach mit Mathematik gibt dem Schach einen höheren Stellenwert für die begleitenden Lehrer. Den Lehrern gefällt das. Ich halte zwar nicht sehr viel von Verknüpfungen zwischen Schachspiel und anderen Fächern, da ich das Schachspiel damit abwerte. Ich glaube das Schachspiel beinhaltet schon alles und eine Verknüpfung mit Fächern ist so, als ob ich ein Ganzes auf einen Teil reduzieren würde. Ich betrachte diese Lektion einfach als „Intermezzo“, als Auflockerung sozusagen.

Schwierigkeiten beim lösen der Aufgabe sind: Die Steine werden zusammengezählt anstatt den Wert der Steine zusammen zu zählen. Einige schreiben irgendwelche Zahlen, welche weder der Anzahl der Steine noch den Wert der Steine zuzuordnen sind. Viele verwechseln Weiß mit Schwarz wenn es darum geht zu definieren wer besser steht. Einige verwechseln die Steine da sie nicht nachsehen, wenn sie unsicher sind. Andere warten einfach nur bis die Stunde vorüber ist. Ich muss versuchen allen ein wenig unter die Arme zu greifen, damit alle wenigstens einen Teil behalten.

Bei einigen Klassen können einige auch noch etwas spielen, da sie die Übung relativ schnell erledigen.

Stunde 3

kcf_pedoneNach den üblichen Fragen über die letzte Stunde beginne ich mit der Schachgeschichte. Wir wollen heute den Bauern behandeln.

EineSchachgeschichteBauer

In einigen Klassen musste ich das Erzählen der Geschichte abbrechen, da kein großes Interesse bestand, der Großteil wandte sich ab,  viele Kinder verlieren sich und beschäftigen sich mit anderen Dingen.

Nachdem bilde ich Gruppen mit jeweils 2 Kindern, welche sich ein Schachbrett teilen und beide sitzen nebeneinander und nicht gegenüber, damit sie beide die gleiche Perspektive haben. Die Spielsteine werden neben dem Schachbrett aufgestellt und danach beginne ich mit den Erklärungen darüber, wie ein Bauer bewegt werden soll. Ich habe schon erwähnt, dass ich kein Demobrett benutze und warum.  Ohne Demobrett kann ich sofort und deutlich erkenne, wie die Klasse arbeiten kann. Ich merke wie hoch oder niedrig die Aufmerksamkeit der einzelnen Kinder ist, die Bereitschaft zuzuhören und ob sie Anweisungen befolgen können.  Dazu ist zu sagen, dass wenige Kinder diese Arbeitsweise gewohnt sind und anfängliche Schwierigkeiten normal sind.

Ich lasse einen weißen Bauer auf e2 stellen, erkläre, dass ein Bauer nur auf derselben Linie zieht, nutze die Gelegenheit zu prüfen, ob sie wissen was eine Linie ist, er kann nur geradeaus ziehen und niemals rückwärts. Der Bauer kann nur ein Feld vorwärts ziehen. Nun lasse ich die Kinder abwechselnd mit diesem Bauer ziehen. Bisher war ein Kind für die weißen Steine zuständig und eines für die schwarzen Steine. Ich sage zum Schüler welcher für die weißen Steine zuständig ist  er soll jetzt einen Zug mit dem Bauer ausführen, dies wird nicht unmittelbar wahrgenommen, so wiederhole ich die Anweisung und erkläre, dass das Kind den Bauer ein Feld vorrücken soll und das nennt man im Schach einen Zug machen. Nun klappt es, die Kinder führen den Zug aus. Jetzt soll der Partner einen Zug ausführen.  Diese Anweisung wird nicht ganz verstanden, einige Kinder nehmen einen schwarzen Bauer in die Hand und warten auf weitere Anweisungen. Ich erkläre, dass sie mit demselben Bauer ziehen sollen und es klappt jetzt. Ich wiederhole dies solange bis der Bauer auf die andere Seite kommt (e8) und erkläre die Umwandlung des Bauern. Danach lasse ich die Kinder einen weißen Bauer auf e4 stellen und einen Schwarzen auf e5. Trifft der Bauer auf ein Hindernis, so kann er nicht weiter, und wir nennen das „Der Bauer ist blockiert“ denn der Bauer kann nicht mehr bewegt werden. Jetzt erkläre ich, dass man den Bauer auf zwei Arten führen kann, eine wie er zieht und eine wie er schlägt. Um das zu demonstrieren lasse ich eine neue Stellung aufbauen mit weißen Bauern auf e4 und d4 und zwei Schwarze auf e5 und d5, nun sollen sie abwechselnd einen Bauer schlagen. Noch ein, zwei Beispiele und dann gebe ich Anweisung alle weißen Bauern in der zweiten Reihe aufzustellen und alle Schwarzen in der siebten Reihe. Bleibt noch der Doppelschritt des Bauern zu erklären, das En-Passant wird zu einem späteren Zeitpunkt behandelt. Danach soll mit den Bauern gespielt werden. Vorerst wird das Ziel des Spiels benannt, und zwar gewinnt der Erste, welcher einen Bauer auf die achte bzw. erste Reihe bringen kann.

Diese Klasse war eine überdurchschnittlich gute Klasse, was Aufmerksamkeit und Befolgung der Anweisungen anbelangt. Die zwei darauf folgenden Klassen waren genau das Gegenteil davon. Mit demselben Programm gab es fast kein Weiterkommen und am Schluss blieb fast keine Zeit mehr zum Spielen übrig. Es war notwendig jeder Zweiergruppe separat Anweisungen und Erklärungen zu geben. Bauern wurden willkürlich hin – und hergeschoben, alle fünf Minuten musste ich versuchen die Aufmerksamkeit der Kinder aufs Neue zu erlangen und die Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken. In einer Klasse, wollte der Lehrer von Anbeginn klare Verhältnisse schaffen indem er bei geringen Verfehlungen die Kinder aus der Klasse nahm und in einem anderen Raum mit Aufgaben beschäftigte. Das war allerdings ein Nachteil, da gerade diese Kinder vom Schachspielen profitieren sollten. Weiteres war der Rest der Klasse „außer Kontrolle geraten“ und ich schaffte es nicht sie wieder zu beruhigen.

Auf Grund dieser Erfahrung habe ich das Programm in den nächsten Klasse vom Anfang an verändert. Die Kinder sollten nicht mehr nebeneinander sitzen, sondern gegenüber. Ich lasse einen weißen Bauer auf e2 stellen und einen Schwarzen auf c7. Erkläre dann die Züge des Bauern lasse sie dann abwechselnd ziehen, bis zur Umwandlung. Wir wiederholen dies ein paar Mal, danach lasse ich die Bauern auf derselben Linie aufstellen  um den Begriff „blockiert“ zu erklären. Danach lasse ich alle weißen Bauern auf der zweiten Reihe aufstellen und die Schwarzen auf der siebten Reihe. Ganz einwandfrei klappt das mit den Begriffen „ Reihen und Linien“ noch nicht, aber wir kriegen das bald hin. Ich erkläre noch den Doppelschritt und dann wird gespielt.  Diese Vorgehensweise erweist sich als besser und es kann mehr gespielt werden.

Mein erster Eindruck ist: Ich habe heuer, im Sinne von Aufmerksamkeit, Zuhören können und Anweisungen befolgen können, zwei überdurchschnittliche Klassen, 5 durchschnittliche Klassen und zwei unterdurchschnittliche Klassen zu betreuen.  Italienisch sprachige Klassen sind etwas lauter, weniger Aufmerksam und hören auch weniger zu. Ich benötige hier einiges mehr an Zeit und Anstrengung, um den gleichen Stoff zu behandeln, welcher noch dazu weniger aufgenommen wird. Dies kann immer noch zufällig sein, aber inzwischen hat sich diese Vermutung öfters bestätigt. Möglicherweise gibt es hier einfach einen anderen kulturellen Hintergrund zu den deutsch sprachigen Klassen. Am plausibelsten erscheint mir ein höherer Grad an Medialität der Kinder, ich meine hier, dass die Kinder mehr Stunden  mit Multimedia verbringen als deutsch sprachige Kinder in Südtirol und das ihr Umfeld einfach eine höhere Lautstärke hat. Es erscheint nicht ganz klar, welche Wechselwirkung lautere Kinder und lautere Lehrer, auf Aufmerksamkeit und Bereitschaft, zuzuhören haben, oder deren Auswirkung auf die  Lautstärke der Klassen. Sind die Kinder daran Schuld weil sie laut sind und der Lehrer „gezwungen“ ist laut zu sein oder umgekehrt? Ein zusätzlicher Faktor könnte auch die größere Anzahl an Kindern mit Migrationshintergrund  in den italienisch sprachigen Klassen sein.

Die Klassen welche in höherem Maße die Bereitschaft zum Zuhören geben sind auch angenehmer zu „handhaben“, es ist ruhiger und wirkt sich auch auf das Behalten des Gelernten aus, allerdings nicht in dem Maße, wie zu erwarten wäre. Ich vermute manchmal, wie schon im Artikel über Gruppendynamik erwähnt, dass die Aufmerksamkeit da zu sein scheint, aber nicht unbedingt immer anwesend ist. Es ist zwar ruhiger und es bleibt möglicherweise mehr vom Stoff hängen, andererseits ist bis zur nächsten Stunde eine Woche vergangen und vieles kann und wird auch wieder vergessen werden.

Über Mich

Eine lange Geschichte

Ich begann in den 80ern Schach zu unterrichten, mit der Überzeugung, die Themen zu behandeln welche mir gefallen. Zur damaligen Zeit gab es noch nicht viele Unterlagen an welchen ich mich orientieren wollte. Dieser Ansatz stellte sich als großer Fehler heraus und ich verlor die gesamte Gruppe. Mit der Zeit und etwas Erfahrung bin ich zur Überzeugung gekommen, dass die Themen oder Methoden welche uns gefallen oft den Kindern nicht gefallen oder ganz und gar nicht nützlich sind. Es ist nicht leicht diese Dinge zu erfahren, und noch schwerer sie zu akzeptieren,  da wir oft nur das sehen was wir sehen wollen……

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