Stunde 16

Eine kurze Einführung über „richtiges Schach“ und wie wir in Zukunft mit dem König umgehen werden. Wir benutzen das Heft Schachspielen1 (unter Material zum herunterladen) auf Seite 36. Ich wiederhole die Zugmöglichkeiten des Königs anhand der ersten zwei Diagramme und male noch zusätzlich die Züge des Königs, innerhalb eines Zuges, an die Tafel. Trotz mehrfachen Wiederholens wird nicht ganz wahrgenommen, dass hier von Möglichkeiten innerhalb eines Zuges gesprochen wird. Wir gehen weiter mit der Übung 25 auf Seite 38. Die Kinder sollen sich auf das erste Diagramm konzentrieren. Der König ist umrahmt mit einem Viereck, welches die Möglichkeiten des Königs innerhalb eines Zuges symbolisieren soll. Wir kontrollieren zusammen welche Felder für den König sicher sind, welche nicht und warum. Bei den nächsten Diagrammen kontrollieren wir jedes einzelne Feld um den König. Ich hole mir keine individuellen Antworten, sondern befrage sie: „Wer meint, dass das Feld sicher ist hebe die Hand“ und „Wer meint das Feld sei nicht sicher und der König kann hier nicht hin, hebe die Hand“. Ich möchte damit auch etwas bestimmtes erreichen und dazu sind die Diagramme 2 und 3 geeignet. Bei Diagramm 2 dauert es eine Weile bis das Feld d5 als sicher empfunden wird, Kinder denken nicht sofort an das Schlagen in dieser Situation. Bei Diagramm 3 ist der zu schlagende Stein geschützt und kann nicht geschlagen werden. In der Regel ist es bei diesem Handhebeverfahren, so, dass die schwächeren (im Spiel) sich an den Stärkeren orientieren und eine Gruppenantwort geben. Oft ist es aber so, dass die sogenannten stärkeren nicht hinschauen und falsch liegen. Es passiert meistens in diesem Diagramm, dass nur einer oder höchstens zwei die Hand aufhalten, und es fast nicht wagen gegen die Gruppenmeinung zu verstoßen, dass dieses Feld nicht sicher ist. Die meisten denken jetzt an das Schlagen, da es im vorigen Diagramm so war und dazu noch so schwierig zu finden war, dass man schlagen konnte. So brennt es sich stärker ins Gedächtnis ein.

Meine Absicht war aufzuzeigen, nicht zu verbalisieren, dass nicht immer die Mehrheit recht hat und das selbst rechnen mehr richtige Lösungen bringt. Wenn ich dies nur sage so erreicht das die wenigsten Kinder. Wenn es aber im richtigen Augenblick geschieht, das bedeutet wenn sie direkt damit konfrontiert werden, dann haben wir eine Spur gelegt auf welcher sie in Zukunft immer leichter wandern können. Jedes Mal wenn ähnliche Situationen vorkommen, und die Mehrheit unrecht hat, wird diese Spur breiter und erleichtert es den Kindern eine eigene Meinung zu vertreten, auch wenn sie gegen die Gruppenmeinung verstößt. Manchmal, je nach Klasse, absolvieren wir das vierte Diagramm auch noch zusammen und den Rest sollen die Kinder selbst lösen.

Es stellt sich heraus, dass der Großteil der Klasse noch immer nicht wahrgenommen hat was von ihnen in dieser Übung verlangt wird. Die größte Schwierigkeit liegt darin zu verstehen, dass hier nur die Felder gesucht werden sollen, welche der König innerhalb eines Zuges erreichen kann. Es liegt wahrscheinlich nicht an einer mangelhaften Erklärung – ich bin schon lange dabei und kenne einige verschiedene Methoden um verschiedene Kinder zu erreichen – sondern an der Aufmerksamkeit und Bereitschaft zum Zuhören und aktiv Mitmachen. Während wir die Diagramme zusammen lösen, verlassen sich viele auf die Gruppenantworten, sie schauen sich um und je nach Lage heben sie die Hand oder nicht. Oft sind sie mit ihren Gedanken nicht beim Diagramm, welches wir gerade besprechen. Es hat sich in der Schulzeit herausgestellt, dass es einfacher ist sich an die Gruppe zu halten, als hinzuschauen oder gar zu rechnen. Die Antworten werden vorwiegend automatisch gegeben. Aber hier wirkt das Schachspiel hervorragen dagegen, es lässt keine Automatismen zu. Es gibt immer wieder Überraschungen beim Spiel, es lässt sich nicht mit Autopilot spielen. Dies führt dazu, dass sie immer wieder von Zügen  „Aufgeweckt“ werden, die sie nicht gesehen haben und ich glaube, unter anderem, dass dies die Aufmerksamkeit erhöht. Ich muss das nicht verbalisieren, das lernen die Kinder von selbst. Oft erreicht man das Gegenteil indem man sie immer wieder darauf aufmerksam macht, sie sollen genauer schauen und mehr rechnen.

Einzelne Kinder hören fast nichts von dem was ich sage und diese Kinder muss ich direkt und individuell zu jedem einzelnen Feld befragen und dabei sein damit etwas geschieht. Für einige ist (da kann ich nichts dagegen machen) die Stunde fast zu Ende und es bleibt sehr wenig Spielzeit übrig. In kleineren, ländlicheren Schulen ist es etwas besser, die Kinder sind etwas aufmerksamer dabei, als in großen Schulen in der Stadt.

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