Stunde 17

Die Bedeutung von Diagrammen

Nach einer kurzen Wiederholung zum König und zu den sicheren Feldern wohin er ziehen kann fahren wir mit der nächsten Serie von sechs Diagrammen (Übung 26) fort. Bei Klassen mit guter Aufmerksamkeit und Bereitschaft zuzuhören machen wir zwei Diagramme gemeinsam und die restlichen erledigen die Kinder selbständig. Bei einigen Kindern muss ich etwas nachhelfen, da sie noch nicht ganz verstanden haben was sie tun sollen. Es geht darum alle sicheren Felder des Königs zu markieren. Es bleibt für die meisten Kinder gut eine halbe Stunde Zeit um zu spielen. Innerhalb der zweiten Serie von Diagrammen haben die Kinder gelernt was sie tun müssen um die Übungen zu lösen. Bei den Klassen mit schlechter Aufmerksamkeit und geringere Bereitschaft zuzuhören war die zweite Serie von Übungen fast identisch mit der ersten. Wir mussten vier Diagramme zusammen lösen und die Kinder wollten auch noch die letzten zwei gemeinsam lösen. Ich bestehe aber darauf, dass sie die letzten zwei alleine lösen. Hier musste ich  bei den Meisten individuell helfen, da sie nicht verstehen was sie mit den Diagrammen anzufangen haben. Für die meisten Kinder blieb fast keine Zeit mehr zum spielen.

Koenig26Interessant ist die Tatsache dass fast alle Kinder im Diagramm das Feld d7 als nicht sicher für den König angesehen haben. Dies ist jedoch nicht korrekt. Ich hatte nicht erwähnt in welche Richtung die Bauern ziehen und möglicherweise gab das den Ausschlag dafür beide Felder als unsicher zu markieren.

Ich war immer der Überzeugung, dass das lösen von Diagrammen einen großen Nutzen für das Lernen hat, aber auch für mich, um zu kontrollieren was bei den Kindern hängen geblieben ist.  Inzwischen bin ich mir da nicht mehr so sicher. Die Kinder, es handelt sich um achtjährige, lernen zwar wie sie die Diagramme zu lösen haben, je nach Aufmerksamkeit der Klasse, aber ein Transfer auf das Spiel ist bei den meisten, nicht zu sehen.  Der Unterschied zwischen aufmerksamen und weniger aufmerksamen Klassen beim Spielen ist sehr gering. Einige Ausnahmen ergeben sich wenn ich mit ihnen spiele und ich sie darauf aufmerksam mache auf sichere Felder zu achten. In diesen Fällen rechnen die Kinder laut und fragen sich ob ich sie fressen kann, wenn sie auf ein bestimmtes Feld ziehen. Wenn sie dann untereinander spielen verschwindet dieses rechnen fast ganz. Möglicherweise wollen sie, wenn sie mit mir spielen, mir eine Freude machen, sie wissen ja was ich gerne hätte und rechnen vor mir. Dies hat weniger mit dem Spielverständnis zu tun als mehr zum Verständnis zu was der Lehrer haben oder hören möchte. Es kann also den Anschein haben, dass die Diagramme eine Auswirkung auf das Lernen haben, was auch richtig ist im Bezug auf die Technik des Lösens von Diagrammen, aber minimal auf das Spielverständnis. Der Zusammenhang kommt den Kindern nicht in den Sinn, auch nicht wenn ich einen diesbezüglichen Zusammenhang aufzeige.

Dazu fällt mir John Hattie in „Visible learning for teachers – maximizing impact on learning“- Routledge, 2012- ein. Er beschreibt das (deliberate practice) bewusste, freiwillige Üben als Bedingung für ein erfolgreiches Lernen. Es ist leicht zu übersehen, dass Kinder in diesem Alter, weder bewusst noch freiwillig üben. Ich glaube es ist nicht möglich die Kinder von der Notwendigkeit des Übens zu überzeugen. Wir können zwar einige dazu bringen, durch Manipulation, zu üben um

Mitschüler zu übertrumpfen, nach Wettkampfart, aber es wird nie freiwillig und bewusst, für das Lernen, geschehen. Ich benutze die Diagramme aber trotzdem, zum einen weil sie mir helfen etwas  besser zu erklären und es doch einen minimalen Nutzen bringt, zumindest keinen großen Nachteil. Und zum anderen für das Publikum, sprich Schule, damit es zumindest mehr danach  aussieht als ob ich „etwas“ konkretes, nachvollziehbares anbiete.  Für die meisten Kinder sind diese Diagramme und das dazugehörige „Üben“ eher Zeitverschwendung auf Kosten des Spiels, welches in dieser Phase sowieso den Löwenanteil beim Lernen und in der Mitarbeit hat.

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Stunde 16

Eine kurze Einführung über „richtiges Schach“ und wie wir in Zukunft mit dem König umgehen werden. Wir benutzen das Heft Schachspielen1 (unter Material zum herunterladen) auf Seite 36. Ich wiederhole die Zugmöglichkeiten des Königs anhand der ersten zwei Diagramme und male noch zusätzlich die Züge des Königs, innerhalb eines Zuges, an die Tafel. Trotz mehrfachen Wiederholens wird nicht ganz wahrgenommen, dass hier von Möglichkeiten innerhalb eines Zuges gesprochen wird. Wir gehen weiter mit der Übung 25 auf Seite 38. Die Kinder sollen sich auf das erste Diagramm konzentrieren. Der König ist umrahmt mit einem Viereck, welches die Möglichkeiten des Königs innerhalb eines Zuges symbolisieren soll. Wir kontrollieren zusammen welche Felder für den König sicher sind, welche nicht und warum. Bei den nächsten Diagrammen kontrollieren wir jedes einzelne Feld um den König. Ich hole mir keine individuellen Antworten, sondern befrage sie: „Wer meint, dass das Feld sicher ist hebe die Hand“ und „Wer meint das Feld sei nicht sicher und der König kann hier nicht hin, hebe die Hand“. Ich möchte damit auch etwas bestimmtes erreichen und dazu sind die Diagramme 2 und 3 geeignet. Bei Diagramm 2 dauert es eine Weile bis das Feld d5 als sicher empfunden wird, Kinder denken nicht sofort an das Schlagen in dieser Situation. Bei Diagramm 3 ist der zu schlagende Stein geschützt und kann nicht geschlagen werden. In der Regel ist es bei diesem Handhebeverfahren, so, dass die schwächeren (im Spiel) sich an den Stärkeren orientieren und eine Gruppenantwort geben. Oft ist es aber so, dass die sogenannten stärkeren nicht hinschauen und falsch liegen. Es passiert meistens in diesem Diagramm, dass nur einer oder höchstens zwei die Hand aufhalten, und es fast nicht wagen gegen die Gruppenmeinung zu verstoßen, dass dieses Feld nicht sicher ist. Die meisten denken jetzt an das Schlagen, da es im vorigen Diagramm so war und dazu noch so schwierig zu finden war, dass man schlagen konnte. So brennt es sich stärker ins Gedächtnis ein.

Meine Absicht war aufzuzeigen, nicht zu verbalisieren, dass nicht immer die Mehrheit recht hat und das selbst rechnen mehr richtige Lösungen bringt. Wenn ich dies nur sage so erreicht das die wenigsten Kinder. Wenn es aber im richtigen Augenblick geschieht, das bedeutet wenn sie direkt damit konfrontiert werden, dann haben wir eine Spur gelegt auf welcher sie in Zukunft immer leichter wandern können. Jedes Mal wenn ähnliche Situationen vorkommen, und die Mehrheit unrecht hat, wird diese Spur breiter und erleichtert es den Kindern eine eigene Meinung zu vertreten, auch wenn sie gegen die Gruppenmeinung verstößt. Manchmal, je nach Klasse, absolvieren wir das vierte Diagramm auch noch zusammen und den Rest sollen die Kinder selbst lösen.

Es stellt sich heraus, dass der Großteil der Klasse noch immer nicht wahrgenommen hat was von ihnen in dieser Übung verlangt wird. Die größte Schwierigkeit liegt darin zu verstehen, dass hier nur die Felder gesucht werden sollen, welche der König innerhalb eines Zuges erreichen kann. Es liegt wahrscheinlich nicht an einer mangelhaften Erklärung – ich bin schon lange dabei und kenne einige verschiedene Methoden um verschiedene Kinder zu erreichen – sondern an der Aufmerksamkeit und Bereitschaft zum Zuhören und aktiv Mitmachen. Während wir die Diagramme zusammen lösen, verlassen sich viele auf die Gruppenantworten, sie schauen sich um und je nach Lage heben sie die Hand oder nicht. Oft sind sie mit ihren Gedanken nicht beim Diagramm, welches wir gerade besprechen. Es hat sich in der Schulzeit herausgestellt, dass es einfacher ist sich an die Gruppe zu halten, als hinzuschauen oder gar zu rechnen. Die Antworten werden vorwiegend automatisch gegeben. Aber hier wirkt das Schachspiel hervorragen dagegen, es lässt keine Automatismen zu. Es gibt immer wieder Überraschungen beim Spiel, es lässt sich nicht mit Autopilot spielen. Dies führt dazu, dass sie immer wieder von Zügen  „Aufgeweckt“ werden, die sie nicht gesehen haben und ich glaube, unter anderem, dass dies die Aufmerksamkeit erhöht. Ich muss das nicht verbalisieren, das lernen die Kinder von selbst. Oft erreicht man das Gegenteil indem man sie immer wieder darauf aufmerksam macht, sie sollen genauer schauen und mehr rechnen.

Einzelne Kinder hören fast nichts von dem was ich sage und diese Kinder muss ich direkt und individuell zu jedem einzelnen Feld befragen und dabei sein damit etwas geschieht. Für einige ist (da kann ich nichts dagegen machen) die Stunde fast zu Ende und es bleibt sehr wenig Spielzeit übrig. In kleineren, ländlicheren Schulen ist es etwas besser, die Kinder sind etwas aufmerksamer dabei, als in großen Schulen in der Stadt.

Wieviel Chaos erträgt ein (Schach)Lehrer

Vor einiger Zeit schrieb ich über  die Aufmerksamkeit und Ruhe in den betreuten Schulklassen 2012/2013 hier

Möglicherweise werden, zumindest im Schachunterricht, Disziplin und Ordnung erheblich überschätzt. Es sieht zumindest für mich so aus. Nach 15 Schachstunden im Kernunterricht sind in den neun Unterrichtsklassen keine nennenswerten Unterschiede beim Spiel oder Regelverhalten der Spielkompetenz zu beobachten.  Ich habe gesehen, dass es zwischen über– und unterdurchschnittliche Klassen bezüglich „Richtigkeit“ des Spielens kaum nennenswerte Unterschiede gibt.  Der Unterschied in der Aufmerksamkeit und in der  Ruhe in den Klassen ist immer noch groß und man möchte meinen, dass sich diese Tatsache auch auf die Schachkompetenz, in ähnlicher Form, auswirken sollte. Dem ist aber nicht so.

Einige Prämissen muss ich hier erwähnen, zum einen hören die Kinder ungefähr 50% von dem was der Lehrer sagt wahrscheinlich merken sie sich nur 10% von dem was sie hören. Ein Lehrer redet scheinbar, durchschnittlich, 70 bis 80 % der Schulstunde.

Ich versuche das nicht zu tun, soweit wie möglich, und setze eher auf praktische Maßnahmen.  Zu Beginn des Schachunterrichts kann man, so scheint es, nicht verhindern viel zu reden. Es müssen ja die Regeln, zu den Bewegungen der Figuren, vermittelt werden und es scheint so als ob man einige Zeit reden muss. In Klassen, welche aufmerksam sind und während des Unterrichts eher Ruhig sind, lässt man sich verleiten und redet etwas mehr als in „schwierigeren Klassen“.  Anscheinend hat diese Tatsache, wenn wir das Zuhören der Kinder berücksichtigen, keinen großen Nutzen in der Steigerung der Spielkompetenz. Für die Kinder bedeutet das eher eine Zeit die sich auf Kosten der Spielzeit auswirkt und das mögen sie nicht gerne. Je mehr Stunden  Schachunterricht sie hinter sich haben, desto weniger mögen sie den Unterricht. Auch wenn sie noch nicht alle Figuren und deren Bewegungen kennen, wollen die meisten mit allen Figuren spielen und das „Gerede“ des Schachlehrers wird gezwungenermaßen, bis zu einem gewissen Punkt, ausgehalten. Dazu kommt, dass die wenigsten aufmerksam dabei sind, auch wenn in der Klasse absolute Stille herrscht. Der Schein trügt meistens. In unkonzentrierten schwierigeren Klassen bin ich gezwungen die Kinder mehr „sich selbst zu überlassen“ und wo nötig individuell Hilfestellung zu leisten. Auch wenn dieses „sich selbst überlassen“ nicht besonders positiv klingt, hat es sich doch als nützlich erwiesen. Sie lernen anscheinend nicht schlechter als die Klassen mit mehr Disziplin und mehr Unterricht. Nach dem Vorschlag einiger Autoren welche vorschlagen: „den Kindern einige wenige Grundregeln zu vermitteln und sich dann zurückziehen, beobachten und auf Fragen die gestellt werden gezielt antworten. Keine Einmischung mehr, zumindest eine Zeit lang, bis wir eine genügend starke Basis erreicht haben auf der alle Kinder einer Klasse aufbauen können.“ Das sollte mehr „Kind gerecht“ sein, bzw. mehr ihren Bedürfnissen und ihre Art zu lernen, entsprechen.

Am Ende ist der Unterschied zwischen allen neun Klassen so gering, mit einer Ausnahme wo zu viele Kinder „Schwierigkeiten“  oder ein Gutachten haben, dass  die Unterschiede kaum der Rede wert sind. Meiner Meinung nach liegen viele Erwachsenen falsch wenn sie meinen, dass: „Die Kinder wissen nicht was gut für sie ist“. Ich glaube sie wissen sehr wohl was sie wollen und was sie bereit sind auf sich zu nehmen um in einen gewissen Bereich aktiv dabei zu sein. Wir dürfen nicht vergessen, dass nicht alle Kinder gerne Schach spielen, eher sind das die Ausnahmefälle, für viele ist das Schachspielen im Unterricht besser als ein Schulfach. Für viele Kinder ist das Schachspiel aber auch anstrengend, das müssen wir auch berücksichtigen, unabhängig von den verschiedenen Erfolgsberichten, die gerne etwas übertrieben, oder zumindest einseitig (nicht ganz objektiv) dargestellt werden. Wenn ich in einer Klasse, nach ca. 15 Stunden Schach im Unterricht, nachfrage ob jemand eine Einladung zum Probespielen im Verein haben möchte, aber nur diejenigen welche auch Zuhause gerne spielen und nicht nur in der Schule weil es hier angenehmer ist als Mathe, so wollen zwischen 80 und 90% diese Einladung haben. Das klingt zwar super, aber in der Regel ist es so, dass wenn die ersten, die Begeisterten (Ausnahmen) die Hand aufhalten so entsteht ein Nachahmungseffekt und alle wollen sie eine Einladung haben, unabhängig davon ob sie Zeit haben oder wirklich gerne spielen möchten. Der Schein ist: Alle wollen im Verein spielen. Die Wirklichkeit: In der Regel sind es zwischen 10 und 30% welche mehr Schachspielen wollen.

Ich behandle normalerweise eine Spielfigur pro Stunde. Bei Springer, Bauer und König etwas mehr.  Ich bin inzwischen zur Überzeugung gelangt den Kindern mehr Mitspracherechte zu überlassen und ihnen die Möglichkeit gebe alle Steine in einer Stunde kurz zu behandeln und dann können sie die nächsten 10 bis 15 Stunden einfach nur spielen. Mit Kindern, welche mehr über die Figuren wissen wollen, bevor sie mit ihnen spielen, kann ich, während die anderen Kinder spielen, auch mein normales Programm absolvieren, oder was immer sie möchten. Zumindest kann ich so die Anliegen der Kinder besser behandeln und in der Spielkompetenz ändert sich sowieso wenig, vielleicht funktioniert es sogar besser. Eventuell reichen ein oder zwei Poster (oder einzelne Blätter) in der Klasse aus, damit sie von Anfang auf irgend einer Weise spielen können. Es ist zu diesem Zeitpunkt nicht wichtig wie genau oder korrekt sie spielen, sie lernen es mit Sicherheit in kurzer Zeit. Wenn sie etwas wissen wollen, dann fragen sie und wir müssen genau auf ihre Fragen eingehen und Antworten. Ansonsten sollten wir uns nur in Ausnahmesituationen einmischen, und sparsam damit umgehen. Die größten Lernerfolge erzielen die Kinder, zumindest beim Schach, voneinander. Was sie von Gleichaltrigen erfahren haben hat oft einen größeren Wert oder Glaubwürdigkeit als das, was Erwachsene ihnen beibringen wollen (in der Regel mit Hintergedanken). Zumindest hören sie mit mehr Interesse zu.

Das Problem mit der Schule, und das Kulturübergreifend, ist, dass sie ein Programm sehen will und auch erwartet, dass wir uns daran halten. Das Chaos, welches entsteht wenn wir demokratisch vorgehen wird von den meisten Lehrern eher als eine Inkompetenz des Schachlehrers betrachtet. Aus ihrer Sicht wird den Kindern wenig und schlecht beigebracht. Alle diese modernen Methoden die den Lehrern  beigebracht werden, die den Kindern ein Verständnis erleichtern, vermissen sie. Sie würden sich gerne einmischen und uns helfen es „besser“ zu machen. Eine zusätzliche Schwierigkeit liegt in der Beobachtung, seitens des Schachlehrers, der Kinder. Wenn ich mich nur dann einmische wenn ich gefragt werde – was für die Kinder  eine tolle Sache ist, diese Freiheit zu genießen ohne Anweisungen zu befolgen – sehen das die Lehrer so, als ob ich nicht handeln würde. Ich tue „Nichts“. Meine Anwesenheit ist nutzlos, die Kinder lernen nichts greifbares, folglich ist der „Schachkurs“ nutzlos und wird abgeschafft. Dies ist, abgesehen von den Kindern, für mich schlecht. Würde ich mein Programm, welches relativ einfach ist, knallhart durchziehen und  fast jede Stunde  ein neues Thema bringen, möglicherweise auch noch mit „Spezialeffekte“ dann währe das eine supertolle Sache. Aus der Sicht der Schule! Für die Kinder möglicherweise kontraproduktiv.

Es gibt aber auch Lehrer die es mehr gewohnt sind im Chaos (Unruhige Klassen) zu wandern und hier kann ich getrost die Kinder mehr sich selbst überlassen. Es kann die Rechtfertigung gelten „Es ist halt eine schwierigere Klasse“ ohne auf Schwierigkeiten von Seite der Schule zu stoßen. Es gibt auch Schulen wo der/die Direktor/in durch die Korridore wandert und horcht ob es in den Klassen laut ist und dann reingeht und Schimpft.

 Im Montessori Schulsystem treffe ich sowieso auf mehr Verständnis für die „demokratische“ Methode, hier ist die Freiheit etwas wichtiger als das Programm.

Stunde 10 bis 15

pezziEine kurze Wiederholung zur letzten Stunde und dann geht’s weiter mit dem Läufer.

Entgegen meinen anfänglichen Vorhaben mein Programm durchzuziehen, habe ich mich entschlossen das Tempo zu beschleunigen. Ich verzichte auf das Demobrett und auf die Schachbretter, gebe nur verbale Anweisungen die nicht länger als 5 Minuten dauern. Ich erkläre wie der Läufer zieht, wiederhole es einmal und dann gehen wir zum Spielen über. Im Gegensatz zum Springer und Bauer, welche sich besser eignen um mehrere Methoden anzuwenden, sind die restlichen Figuren hierfür zu einfach. Die Kinder langweilen sich und verlieren die Aufmerksamkeit. In der nächsten Stunde erkläre ich die Dame, gezogen wird sie entweder wie der Turm oder der Läufer. Ich wiederhole es einmal und dann spielen die Kinder den Rest der Stunde. Einige können es nicht erwarten mit allen Steinen zu spielen, so erkläre ich noch kurz den König, welcher in alle Richtungen ziehen kann, aber immer nur ein Feld. Wer will kann auch noch mit dem König spielen aber nun verändern sich die Gewinnregeln. Nicht mehr ein Bauer auf die andere Seite zu bringen sichert den Gewinn, sondern es gewinnt derjenige, welcher den König schlägt. Einige Einwände gegen ein Schlagen des Königs müssen noch entkräftet werden. Wir wissen alle, dass man den König nicht schlagen kann, sondern er Mattgesetzt werden muss. Solange bis wir nicht das Matt setzen gelernt haben, können wir ihn noch schlagen. Bevor wir mit dem Mattsetzen beginnen werden noch vier bis fünf Stunden Spiel nötig werden. In einzelnen Situationen, nur auf Nachfrage der Kinder, kann man das Eine oder Andere schon mal zeigen. Die Eigenarten des Königs, das Schachgebot und verbotene Felder setzen eine gute Beherrschung der Zugmöglichkeiten der Figuren voraus. Andernfalls ist die nötige Grundlage zum Lernen noch zu gering um ein gutes Verständnis zu ermöglichen. In der nächsten Stunde wiederholen wir alle Figuren (5 bis 10 Minuten) und dann weise ich noch kurz darauf hin, dass der König kein unsicheres Feld betreten sollte, da er ansonsten geschlagen werden würde. Weiters sollte man gut auf ihn aufpassen sonst ist das Spiel schnell zu Ende. Für den Moment reicht ein „Sollte“ nicht unsichere Felder betreten aus und in einigen Stunden wird dann aus dem „Sollte“ ein „Muss“.  Ich lasse sie frei entscheiden ob sie mit Matt spielen wollen oder den König schlagen wollen. Ich plane ab der 15. Stunden mit dem Matt ernsthaft zu beginnen. Noch gebe ich nur Einzelnen die danach fragen, Hinweise über wann und wie man Matt ist. Einige wollen richtig Schach spielen und versuchen auch mit Schach Matt zu spielen, aber es sind noch nicht viele. Bis zur 15. Stunde werden es vermutlich mehr sein und die Hälfte der Arbeit ist schon erledigt. Diese Kinder werden auch andere animieren es richtig zu machen.