Stunde 6 und 7

bynesster_flickrStunde 6

Die sechste Stunde wird nur gespielt, Bauern und Springer.

Stunde 7

Wir wiederholen die Themen der letzten Stunden und dann gehen wir weiter im Heft mit Übung sechs. Einige Klassen müssen noch mit dem Springer spielen, bevor wir zu diesen Übungen übergehen. Langsam entfernen sich die Klassen immer mehr auseinander, aber hier behalte ich die Reihenfolge optimaler Klassen mit sehr guten Voraussetzungen.

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uebung8Wir beginnen, wie üblich zusammen die Übungen durch zugehen, solange bis genügend Kinder von alleine weiterarbeiten können. Es geht darum das Feld zu finden von wo aus der Springer zwei Bauern gleichzeitig angreifen kann. Wir finden die Feldfarbe auf welcher die Bauern stehen und nun wissen wir auf welche Feldfarbe wir springen müssen, um sie anzugreifen. Bauern, welche auf weißen Feldern stehen werden aus schwarzen Feldern angegriffen und umgekehrt. Einige Kinder kriegen das sehr schnell hin und nehmen auch noch die Übungen neun und 10 im Angriff.

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Hier muss ich zwar eingreifen und erklären, dass wir nicht mehr die Felder suchen, sondern eine Zugfolge. Eine neue Perspektive die den schnelleren Kindern keine Schwierigkeiten bereitet. Normalerweise sind zwischen 1 und 4 Kinder, welche so schnell sind und sie sollen nicht zu früh zum spielen kommen, deshalb lasse ich sie noch die Übungen neun und 10 absolvieren. Die anderen Kinder sollen sich nicht zu sehr benachteiligt fühlen. Inzwischen verfolge ich die anderen Kinder und helfe wo immer nötig. Je nach Aufmerksamkeit der Klasse kann das unterschiedlich lange dauern. Bei einigen Klassen benötige ich dafür die ganze Stunde, bei anderen Klassen kommen die meisten Kinder auch zum spielen. Schwierigkeiten, welche auftreten sind: Zum einen sprachliche, einige Kinder verstehen meine Sprache nicht und sie warten solange bis ich zu ihnen komme oder machen irgendwo im Diagramm ein Zeichen, welches  nicht stimmt. Mit etwas Geduld und einigen Diagrammen, die wir zusammen lösen funktioniert das einigermaßen. Manche Kinder markieren  Felder nach Zufallsprinzip und auch hier muss ich etwas nachhelfen und einige Diagramme mit ihnen zusammen lösen. Andere haben ihre ganz persönliche geometrische Muster nach denen sie die Felder markieren, manchmal finde ich heraus welche es sind und manchmal auch nicht. Hier sind mehrere Anläufe nötig. Einige Kinder kommen mit dem Diagrammmodus nicht zurecht, so gebe ich ihnen ein Schachbrett und wir stellen die Stellungen am Schachbrett auf, finden die Lösung und übertragen sie ins Heft. Es ist manchmal nötig diesen Kindern zu zeigen wie man sicher eine Stellung aufbaut, indem man das Feld namentlich bestimmt, auf welchem die Steine stehen, und sie dann auf das selbe Feld auf dem Schachbrett hinstellt. Ab und zu stoße ich auf ganz „eigenwillige“ Kinder, welche diese Übungen überhaupt nicht machen wollen und ich muss mich dann neben sie setzen und jedes Diagramm mit ihnen zusammen machen. Es wird einige Übungsstunden dauern, aber danach müsste es auch von alleine gehen. Leider kommen einige Kinder überhaupt nicht zum Spielen in dieser Stunde, aber ich muss zu Beginn etwas strenger sein, da viele Kinder einfach nur abwarten bis sie das Heft weglegen können. Sie wissen jetzt, dass sie erst dann spielen können wenn die Übung fertiggestellt ist und je schneller sie arbeiten desto eher können sie spielen. Natürlich gibt es auch Kinder die es versuchen aber einfach noch nicht soweit sind um zügig voranzukommen. Wenn ich merke, dass der Einsatz da ist aber es einfach nicht schneller geht, erlaube ich ihnen die Übungen vorzeitig zu beenden, damit sie sich dem Spiel widmen können. Die nicht abgeschlossenen Übungen können zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. In der Regel wollen sie sie dann auch nachholen.

Die Übungen sechs bis 10 dienen eigentlich um etwas Angriffstechnik zu vermitteln, ohne explizit darauf hinzuweisen. Auch ein direkter Hinweis hat keine zusätzliche Auswirkung und ich ziehe es vor, wo es möglich ist, keine direkten Anweisungen zu geben.

Im „The Chess Instructor 2009“ gab es einen Artikel von Richard James der  seit 2003 im Internet zur Verfügung steht (http://www.chesskids.com/thinkskill.pdf) wo die kognitiven Fähigkeiten vom Schachspiel der Kinder, nach Piaget, thematisiert werden. Kurz zusammengefasst sagt er, dass  Kinder vor dem zwölften Lebensjahr nicht imstande sind komplexe logische Prozesse nachzuvollziehen oder von alleine darauf kommen können. Gemeint sind damit auch einfache Kombinationen. Seine Schlussfolgerung ist, dass man  Kinder nicht sich selbst überlassen kann, sondern sie trainiert werden müssen, damit sie als „Erwachsene“ zum Schachpublikum werden können. Ich kann den Nutzen dieser Aussage höchstens  im Leistungssport nachvollziehen und einen möglichen Nutzen hier sehen. In der Schule, wo viele „Unfreiwillige“ mitmachen müssen und die Ziele vollkommen anders sind, denn es sollen alle vom Schachspiel profitieren, sehe ich nur Maßnahmen, welche das Ziel des Schulschachs komplett verfehlen.

Wenn zum Beispiel die kognitiven Fähigkeiten der Kinder noch nicht vorhanden sind, dann nützen auch direkte Anweisungen nichts, um eine Spur (Vgl.:M.Spitzer) im Gehirn zu hinterlassen, es werden möglicherweise bei einigen Kindern Automatismen (Skills) geschaffen aber das hat nichts mit Entwicklung zu tun. Ich finde die Kinder sollen zuerst ihre eigenen Wege ausprobieren und erforschen, auch um eine Basis auf die man dann aufbauen kann zu schaffen, bis sie in ihrer persönlichen Entwicklung soweit sind das auch selbst zu schaffen. Die Praxis hat mir hier schon öfters gezeigt, dass ich nicht falsch liege. Kinder denken anders als Erwachsene und wenn sie dürfen dann sagen sie es uns auch. Für den Spitzensport wird das möglicherweise nicht funktionieren, aber in der Schule behaupten wir ja, dass wir keine Spitzensportler „machen“ wollen, sondern eine Übertragung der positiven Eigenschaften des Schachspiels auf die Kinder anstreben. Also würde ich vorschlagen wir halten uns genau an diese Zielsetzung, es kann vorkommen, dass manche Lehrer die Zielsetzungen des Schachunterrichts und die Ausführung desselben hinterfragen und wir dann um einer guten Erklärung verlegen sind.

Zurück zu den Übungen. Auch wenn die Übungen gelöst wurden gibt es keine Übertragung der Zielsetzung der Übungen auf das praktische Spiel. Selten werden alle Bauern geschlagen und selten wird darauf hin gespielt mit den meisten Zügen, zumindest, einen Bauer zu schlagen. Auch nicht nach einer direkten Anweisung darüber, wo der Springer hinziehen muss, um die Bauern des Gegners anzugreifen. Es werden eher beide Springer des Gegners geschlagen als alle Bauern. Bei den Minispielen, wo die Bauern sich noch nicht bewegen können (siehe Artikel über Stunde 5, Springervorlagen- Bild 7). Wir benötigen einige Stunden praktischen Spieles, bevor Pläne überhaupt in Erwägung gezogen werden und das eher von  Schach begeisterten Kindern. Bei Anderen dauert das wesentlich länger, aber auch diese sind auf dem Weg, zum Schach spielen, mitzunehmen und eine aktive Mitarbeit aller Kinder beizubehalten.

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