Kinder und Medien

Heute, wenn ich mich umsehe, kommt es mir vor, als ob  wir einen Wettlauf veranstalten  wer immer  wieder neuere, buntere, wirbelnde und aufregende  Methoden entwickeln kann, über wie man die Kinder zum Schach bringen kann oder sie beim Schach zu halten. Auch gilt es, so scheint mir, die Kinder eine oder zwei Stunden, mit Schach, zu beschäftigen ohne sie zu langweilen. Diesbezüglich sind die neuen Medien sehr erfindungsreich aber…

Zitat aus:

 Kinder ohne Medien? ,von Dr. Med. Bert Te Wildt, in Psychologie Heute, Jahrgang 29 Heft 11

Medienpädagogik müsste heute auch heißen: zu wissen, wann sich Medieneinsatz regelrecht verbietet.

Zu früher Mediengebrauch lässt bestimmte Entwicklungen verkümmern. Was schnell, bunt und spannend ist, macht abhängig – und dümmer.

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Das Spiel

Wenn wir  vom Schachspiel ein Transfer von positiven Eigenschaften auf die Kinder voraussetzen, sollten wir das Grundlegende nicht aus den Augen verlieren:

Das Spiel (Nach P.P. Kaspar)

Das Spiel wird allzu gern als etwas Unernstes oder gar Kindisches abgetan. Das ist schade. Denn im Spielenden wächst eine Grundbegabung jedes erwachsenen Menschen heran. Der spielende Mensch verwirklicht seine schöpferischen Kräfte ohne Zweck und Nutzen – nur um ihrer selbst willen. Weil es ihm eben Freude macht. Und das genügt.

Ein Spiel, das auf Nutzen oder Gewinn bedacht ist, wie viele sportliche Wettkämpfe, hat die Freiheit des zweckfreien Spielens bereits „verspielt“. Leider sind viele „Spiele der Erwachsenen“ solche Spiele. Ein Beispiel dafür ist das Glücksspiel.

Ein Mensch der nicht spielen kann ist kein „ganzer“ Mensch

Stunde 5

Eine kurze Wiederholung zur letzten Stunde und dann geht’s weiter zur Spielfigur des Springers. Nicht alle Klassen werden mit derselben Reihenfolge unterrichtet. Bei einigen muss ich den Springer am Ende behandeln, bei anderen in der sechsten Stunde. Der Einfachheit halber behalte ich hier diese Reihenfolge bei, auch wenn ich sie nicht überall beibehalten kann. Jeder sollte für sich und die Klasse entscheiden, was wann behandelt werden sollte.

In einigen Klassen befindet sich ein Fußboden mit Schachmuster, das gibt mir Gelegenheit zu einer zusätzlichen Strategie beim Lehren.

Die benutzten Vorlagen

Ich beginne mit einer Vorlage (Bild 1), welche ein „L“ mit dem Springerzug aufweist. Einige Kinder wissen zwar schon, dass ein Springer wie ein „L“ zieht, deshalb beginne ich mit dieser Vorlage. Ich erkläre, dass ein Springer zwei Felder in eine Richtung überspringt, um auf einem dritten Feld zu landen. Ein Springer kann in alle vier Richtungen springen aber nicht diagonal.

Es ist einfacher für die Kinder eine geradlinige Abfolge zur Berechnung der Felder worauf der Springer springen kann, zu verstehen. Nachdem wir alle möglichen Richtungen und Spieglungen dieses „ Springer-l‘s“ behandelt haben, lasse ich, in Klassen mit Schachmuster Fußboden, die Kinder zu mir kommen und sich vor mir aufstellen. Es passiert manchmal auch, dass sie sich alle so aufstellen, dass sie mir den Rücken zuwenden, aber das lässt sich schnell ändern. Nachdem zeige ich wie man die Springerbewegung berechnet und mache das einige Male vor. Danach sind die Kinder an der Reihe mit Springerzügen von einer Seite der Klasse zur anderen und zurück zu springen. Das klappt ganz gut in Klassen mit einem guten Aufmerksamkeitsniveau und wenn die Anzahl der Kinder nicht zu groß ist.

Bei wenig Aufmerksamkeit ist der Erfolg dieser Strategie viel geringer, es überwiegen die Nachteile. Zu viele Kinder sind abgelenkt und veranstalten alles Mögliche, was wiederum den Ablauf bedeutsam stört. Am Ende dürfen die Kinder auf ihre Plätze zurückspringen.

Es dauert eine Weile bis alle auf ihrem Platz sind, da einige einen größeren Umweg finden. Ich teile dann die Paare ein, sie sollen nebeneinander sitzen bleiben, das Schachbrett und die Figuren holen, das Schachbrett so aufstellen, dass die erste Reihe auf ihrer Seite liegt und die Figuren außerhalb des Schachbretts aufstellen. Es gib Schwierigkeiten mit den Begriffen „Nebeneinander oder Gegenüber“ und zwischen Steine außerhalb des Schachbretts aufstellen und auf dem Schachbrett.  Hier verliert man mehr oder weniger Zeit, je nachdem wie die reale  Aufmerksamkeit der Klasse ist.

Wenn alle bereit sind stellen wir einen Springer zentral auf das Schachbrett, dann lasse ich zwei weiße Bauern dorthin stellen, wo der Springer in der Luft ist, bzw. springt, und zwei Schwarze wo er landet. Ziel der Übung ist es die Stellung in Bild 3 zu erreichen. Auch wenn die Übungen am Boden reibungslos vonstatten gingen, fast alle hatten überhaupt keine Schwierigkeiten, ist letztere Übung, um einiges schwieriger, da sie eine neue Dimension bedeutet.  Von Bewegung mit dem Körper am Boden zur Bewegung am Schachbrett.

Die erste Phase der Übung bestand darin, die weißen Bauern in Richtung erster Reihe aufzustellen, das heißt der Springer zieht, aus dem Blickpunkt der Kinder, nach Unten. Zusätzlich kommt hinzu, dass viele Kinder die Hände nicht kontrollieren können und dauernd die Steine am Brett bewegen. Irgendwann muss ich sie auffordern die Hände hinter ihren Rücken zu halten und die Steine, die wir bereits gelegt haben nicht mehr zu berühren. Bei manchen hilft das auch nichts und so bleibt mir nichts anderes übrig als die Kinder zu Bitten sich einen Meter vom Tisch zu entfernen, mit dem Nachteil, dass diese Kinder dann auch nicht mehr rankommen, sobald sie neue Steine legen müssen.

Als nächstes springt der Springer in Richtung h-Linie und wir stellen zwei weiße Bauern dahin, wo der Springer in der Luft ist und zwei Schwarze, wo er landet und auch schlagen kann. Einige vervollständigen selbständig die Stellung andere bedürfen einer Aufforderung, um das Muster, die Stellung zu vervollständigen, zu finden. Wir haben jetzt die Stellung in Bild 3 erreicht, nun wiederhole ich, dass der Springer mit jedem Zug die Feldfarbe wechseln muss, und lasse die weißen Bauern, welche auf weißen (in diesem Fall steht der Springer auf d5 ein weißes Feld) Feldern stehen, entfernen. Auch hier gibt es einige Kinder, die nicht, oder sehr schlecht zuhören können, die alle weißen Bauern entfernen wollen, oder einfach nur irgendeinen entfernen. Je nach Aufmerksamkeitsgrad der Klasse gibt es  Kinder, welche einer individuellen Aufforderung bedürfen, um überhaupt etwas zu tun.

Nachdem wir die Stellung in Bild 3 erreicht haben gebe ich die Anweisung ,alle weißen Bauern, welche auf weiße Felder stehen zu entfernen. Auch hier zeigt sich die Aufmerksamkeit der Klasse, es gibt noch genügend Kinder welche allle weißen Bauern entfernen und einige die alle Steine entfernen.Schließlich erreichen wir Bild 4 und ich nutze die Gelegenheit die offizielle Zug Regel des Springers zu äußern: „Der Springer springt auf jedes zweit nächste Feld entgegengesetzter Farbe!“.  Danach öffne ich die Arme und Frage mit etwas Nachdruck und kurzen Pausen zwischen den Wörtern: „ Habt ihr das Alle verstanden?!“ Es ertönt eine typische Gruppenantwort: „Jaaaa!“ Keiner traut sich zu sagen er hat gar nichts verstanden. Die Lehrerin schmunzelt und mir ist durchaus bewusst, dass womöglich keiner irgendetwas verstanden hat. Deshalb erkläre ich es langsamer und zeige, dass die den Springer angrenzenden (ich benutze das Wort berühren) schwarzen Felder für den Springer nicht erreichbar sind, sonder, dass er hier darüber springt und gleichzeitig wiederhole ich, dass der Springer im Sprung nichts schlagen kann, sondern nur, wo er landet. Der Springer landet auf allen schwarzen Felder, welche an diese Felder (Bild 4) angrenzen (berühren). Ich fordere die Kinder auf, das zu kontrollieren, ich könnte ja etwas vergessen haben, so wird die Kontrolle etwas schärfer. Nach der Kontrolle lasse ich die restlichen weißen Bauern entfernen und wir kommen zum Springerrad (Bild 5 und 5a). Der Springer bildet die Achse und die Bauern, welche der Springer in einem Zug schlagen kann bilden das Rad. Bild 5a und 6 heften an der Tafel.  Ich benutze das Demobrett nicht, weil ich unmittelbarer meine Lehrstrategie und der bessere oder mindere Erfolg derselben individuell kontrollieren kann. Weiteres entspricht diese Strategie mehr den Eigenschaften der Kinder, in erster Linie das direkte berühren und handhaben.

Einige Kinder erinnern sich noch an die roten und grünen Felder und was sie bedeuten aber für die Meisten sind eine Wiederholung und ein paar Übungen dazu nötig. Für die Bauern in Bild 5 sind die Felder worauf sie stehen Rot und das bedeutet Gefahr, es kann geschlagen werden! Würden die Bauern eine weiße Farbe haben, wären die Felder Grün, hier ist man geschützt. Im Laufe der Jahre habe ich bemerkt, dass sich diese Farbstrategien leicht fördernd auf die vorsichtige Handhabung des Schlagens auswirkt. Sie kontrollieren etwas mehr wo sie hinziehen oder schlagen.  Bis alle dieses Farbsystem begriffen haben ist der letzte Stein bereits behandelt worden. Eventuell habe ich, wenn nötig, auch noch Arbeitsblätter, wo man die kontrollierten Felder einer Figur in Rot und Grün färbt.

Als letztes diktiere ich noch die Stellung in Bild 7 und auch hier lasse ich die schnelleren Kinder die Stellung vervollständigen. Danach versuche ich die Regeln zu erklären, wie man dieses Minispiel spielt. Es ziehen nur die Springer, ansonsten ziehen einige den Springer nicht, und es gewinnt derjenige welcher alle Bauern des Gegners geschlagen hat, oder auch derjenige welcher, beide Springer des Gegners geschlagen hat. Die Bauern dürfen hier nicht ziehen. Diese Anweisungen werden von den wenigsten registriert, es wird einfach drauflos gespielt und die meisten stellen Fragen über die Regeln des Minispiels, welche sie einfach nicht gehört hatten.

Auch die Übertragung des Gelernten im Spiel erweist sich als eine neue Dimension und die Züge des Springers sind der Kreativität der Kinder ausgeliefert. Bei grenzenloser Kreativität mische ich mich ein, erinnere aber den Gegenspieler daran, dass jeder für sich ein Schiedsrichter ist und auf die Züge des Gegners achten sollte. Sollte, nicht muss!

Für diese Lektion benötige ich je nach Klasse zwischen 40 und 60 Minuten. Die Spielzeit, die manchmal noch bleibt beträgt zwischen 10 und 25 Minuten.

Stunde 4

10 Minuten Wiederholung der letzten Stunde, danach behandeln wir den Wert der Figuren und deren Symbole im Arbeitsheft.

Zuerst lernen wir, wie die Figuren abgekürzt werden und welche Symbole zu den jeweiligen Figuren gehören und anschließend schauen wir uns den dazugehörigen Tauschwert an.  Auch wenn der König, die wichtigste Figur im Spiel ist, hat er keinen Tauschwert, da er nicht geschlagen werden kann. Der Bauer dient als Bewertungsgrundlage mit einem Punkt, der Springer und der Läufer mit drei Punkten, der Turm mit fünf und die stärkste Figur die Dame mit neun Punkten. Gleichzeitig schreibe ich alles an die Tafel und die Kinder haben im Arbeitsbuch eine vollständige Tabelle mit dem behandelten Stoff. Bei der nächsten Übung können die Kinder immer in dieser Tabelle überprüfen, wenn sie sich nicht an den Stoff erinnern. Ich schlage noch ein paar Übungen zur Berechnung an der Tafel auf. Ein typischer Fehler, welcher am Anfang noch gemacht wird, wenn ich frage wer mehr Punkte geschlagen hat, ist den Wert mit der Anzahl der Steine zu verwechseln. Zum Beispiel sind zwei Bauern und ein Springer mehr Wert als ein Turm und ein Bauer. Es wird einfach nur die Menge der geschlagenen Steine gezählt. Nachdem gehen wir zur Übung fünf über.

Bei einigen Klassen muss ich dieses Thema verschieben, da sie noch zu wenig Spielgelegenheit hatten und es erscheint mir besser sie noch ein wenig spielen zu lassen, bevor wir den Wert der Steine behandeln.

Ich erkläre zuerst was die einzelnen Spalten zu bedeuten haben und anschließend lösen wir die ersten Zeilen gemeinsam. Bei kleineren Klassen kommen alle dran, bei größeren schaffe ich das nicht und lasse sie dann alleine den Rest lösen. Ich nütze die Gelegenheit  die Kinder zu betreuen welche offensichtlich entweder Schwierigkeiten haben, bisher noch nicht zugehört haben oder einfach noch nicht wissen was von ihnen erwartet wird.

Die Voraussetzungen der verschiedenen Klassen sind unterschiedlich. Einige haben bereits das einmal eins angefangen andere noch nicht. Einige haben bereits etwas Kopfrechnen geübt andere nicht und wieder andere  zählen mithilfe der Finger. Einige haben sprachliche Barrieren und verstehen mich nicht, aber bei der individuellen Betreuung bekomme ich das ganz gut hin. Ich benötige dazu die ganze Stunde und es bleiben immer noch einige übrig die nicht fertig werden. Das macht nichts, die Kinder mögen es gern wenn sie bei einer späteren Gelegenheit die vergangenen Übungen fertig stellen können.

Im Schulschach wäre diese Lektion nicht unbedingt notwendig, aber eine Verknüpfung von Schach mit Mathematik gibt dem Schach einen höheren Stellenwert für die begleitenden Lehrer. Den Lehrern gefällt das. Ich halte zwar nicht sehr viel von Verknüpfungen zwischen Schachspiel und anderen Fächern, da ich das Schachspiel damit abwerte. Ich glaube das Schachspiel beinhaltet schon alles und eine Verknüpfung mit Fächern ist so, als ob ich ein Ganzes auf einen Teil reduzieren würde. Ich betrachte diese Lektion einfach als „Intermezzo“, als Auflockerung sozusagen.

Schwierigkeiten beim lösen der Aufgabe sind: Die Steine werden zusammengezählt anstatt den Wert der Steine zusammen zu zählen. Einige schreiben irgendwelche Zahlen, welche weder der Anzahl der Steine noch den Wert der Steine zuzuordnen sind. Viele verwechseln Weiß mit Schwarz wenn es darum geht zu definieren wer besser steht. Einige verwechseln die Steine da sie nicht nachsehen, wenn sie unsicher sind. Andere warten einfach nur bis die Stunde vorüber ist. Ich muss versuchen allen ein wenig unter die Arme zu greifen, damit alle wenigstens einen Teil behalten.

Bei einigen Klassen können einige auch noch etwas spielen, da sie die Übung relativ schnell erledigen.