Ausgangslage

Motivation

Wenn ich zum ersten Mal in die Klasse komme freuen sich die Kinder auf das Schachspiel, sind neugierig und motiviert. Schon durch die Anstrengung die das Spiel abverlangt vermindert sich im Laufe der Stunden, nach und nach, bei vielen Kindern diese Ausgangslage. Was dann bleibt ist etwas Neugierde und die Bereitschaft abzuwarten, ob das was ich ihnen sage auch das ist wie ich handeln würde und einen Reiz gegenüber dem Schachspiel. Meiner Erfahrung nach ist es gerade dieser Reiz, welcher bei überreizten Kindern, ein Gegenpol zur Überreizung ist und diesen Kindern etwas Ruhe vermittelt.

Ich erkläre in der ersten Stunde, dass der Anfang schwer und eventuell auch etwas langweilig sein kann, aber je länger wir spielen desto interessanter wird es. Meine Einstellung ist nicht die Unterhaltung mit Schach anzubieten, sondern Freude am Erforschen und Erreichen der eigenen Ziele, jedes Kindes, durch das Schachspiel.  Nicht „Kind gerechte“, „vorgekaute Suppe“ soll angeboten werden sondern das Schach wie es ist, mit all seinen Schwierigkeiten und Komplikationen. Kinder sind sehr wohl in der Lage mit Schwierigkeiten umzugehen und genau diesen Umstand will ich erhalten. Meine Devise ist, den konstruktiven Umgang mit Schwierigkeiten beizubehalten und zu. Offensichtlich kann ich keine standardisierten Leistungen der Kinder erwarten, sondern muss unbedingt, so weit wie möglich, die Eigenschaften und Bereitschaften jedes Kindes berücksichtigen. Dies macht eine gerechte Bewertung der Spielstärke oder Kompetenz sehr schwierig und deshalb bewerte ich die Kinder nicht.

Ich nütze die anfänglich hohe Motivation und das Interesse um zuerst etwas an Schachsprache zu übermitteln wie z.B. Feldnamen, Reihen und Linien usw. Danach beginne ich mit den „schwierigeren“ Steinen wie Springer und Bauer um dann mit den leichteren fortzufahren, nachdem die Motivation gesunken ist. Ich glaube, dass ich auf diese Weise ein gewisses Interesse und aktive Mitarbeit bei der größtmöglichen Anzahl der Kinder erhalte. Jetzt kann ich nur noch abwarten bis das Schachspiel den Rest erledigt.

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Welche Art von Schach ich in den Schulen anbiete.

 

Ich möchte zunächst daran erinnern, dass wir hier ausschließlich über Schule und nicht von Verein sprechen werden. Im Verein bin ich gezwungen ein paar Kompromisse einzugehen, die ich meist  in der Schule  nicht eingehen muss.

Ich beginne den  „Schachkurs“ in den zweiten Klassen, die Kinder sind in der Regel  zwischen 7 und 8 Jahren alt.

Ich betrachte das Schachspiel, für ganze Schulklassen, als ein Spiel welches für und aus sich selbst spricht.

Schach ohne Leistung, ohne Erwartung, ohne Erziehung, ohne Motivation  – Manipulationstechniken und ohne Rechtfertigung. Einfach nur Schachspielen.

Das Schachspielen erfordert bereits eine hohe  Leistung von den Kindern und ich finde es nicht notwendig noch zusätzliche Leistung, wie z.B. Spielstärke und deren Bewertung  zu erzwingen.

Außerdem gibt es sicherlich auch Kinder die für sich eine zusätzliche Leistung erbringen wollen und es wäre unangebracht dies noch zu verstärken und aus einem „sich messen wollen“ einen Wettkampf zu machen.

Schachspielen ohne Erwartungen an die Kinder und für mich selbst. Ich erwarte mir weder unmittelbaren Auswirkungen des Schachspiels auf die Kinder, noch eine schachliche Kompetenz von ihnen. Ich weiß bereits welche Auswirkungen das Spiel  langfristig auf sie hat, ich hatte 5 Jahre Zeit dies im Kernunterricht zu erfahren.

Hinzu kommt, dass Erwartungen, ob sie sich erfüllen oder nicht, mein Handeln beeinflussen können und das ist nicht immer im Sinne der Kinder. Es ist nicht leicht keine Erwartungen zu hegen, aber ich werde es zumindest versuchen.

Schach lehren ohne den Versuch zu erziehen:  Ohne den Kindern eine Erwachsenen Ansicht, das wie, was, und wann aufzwingen zu wollen. Das Schachspiel anbieten, ohne Theoretische „Tipps“,  und beobachten was geschieht. Wichtig finde ich, dass jedes Kind aus dem Schachspiel, das mitnimmt was ihm nützlich sein kann, sei es seine eigene Strategie, Beobachtungen oder die reine Faszination am Bewegen der Figuren und der Veränderung die diese mit sich zieht.

Ich setze bewusst Motivation und Manipulation  auf derselben Ebene, da in der Praxis die Grenzen zwischen den Beiden sehr verschwommen sind, um es milde auszudrücken. Echte Motivation kommt von innen, vom Seelenzustand und individuellen Erfahrungen des Menschen, und lässt sich nur durch Erleben bzw. Erfahren steigern. Motivation oder Manipulation dieses natürlichen Antriebs erweist sich, im Nachhinein, meist als Bumerang. Sobald diese „motivierenden“ Maßnahmen wegfallen, und das tun sie im Laufe der Zeit, nimmt auch die aufmerksame Teilnahme der Kinder ab.

Außerdem genügt schon  der Umstand, dass das Schachspielen besser als die meisten Schulfächer ankommt, um zum mitspielen, genügend Motivation aufzubringen. Alles was nicht direkt mit dem Spielen zu tun hat ist Überflüssig und gehört nicht in die Schule, denn es lenkt nur ab und gibt der Sache einen anderen Geschmack, eine andere Richtung.

Ich rechtfertige nicht den Grund warum wir hier in der Klasse Schachspielen an Stelle des Unterrichts.

Ich teile das auch den Lehrern mit damit sie sich diesbezüglich zurückhalten, denn ich möchte die Möglichkeit haben, zu einem späteren Zeitpunkt, zu erfahren was das Schachspiel für die Kinder bedeutet. Dies ohne Beeinflussung von Seiten der Erwachsenen.